Landschaftsschutz in der Vulkaneifel – als politische und wirtschaftliche Herausforderung

Hartmut Schmidt, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL)- Regionalverband Eifel, Abstract zum Symposium „Eifelvulkane –multifunktionale Nutzung im Dialog“ am 24.3.2018)

Im Referat werden die rechtlichen Vorgaben für den Landschaftsschutz in den beiden quartären Eifel-Vulkanfeldern mit dem Schwerpunkt auf dem westeifeler Vulkanfeld, der Vulkaneifel im gleichnamigen Landkreis, vorgestellt.

Das geltende rheinland-pfälzische Landesentwicklungsprogramm (LEP IV) charakterisiert die Vulkaneifel als „Landschaft mit bundesweit einzigartiger vulkanischer Prägung“ und zählt sie zu den „Erholungs- und Erlebnisräumen mit landesweiter Bedeutung“. Als politischer Auftrag im Interesse der Gesellschaft gilt hier für die regionale Raumplanung: „die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie den Erholungswert von Natur und Landschaft vorrangig zu sichern und zu entwickeln“ (Ziel 91 im LEP IV)! Mit der Landesverordnung vom 7.5.2010 über den Naturpark Vulkaneifel werden vergleichbare Schutzziele für die Westeifel festgelegt.

Im westeifeler Vulkanfeld zwischen Ormont im NW und Bad Bertrich im SO werden derzeit auf einer Fläche von etwa 50×20 km in über 30 Gruben und Steinbrüchen vulkanische Rohstoffe industriell abgebaut. Dies steht in eindeutigem Widerspruch zu den festgesetzten Zielen des Landschaftsschutzes für diese besonders schutzwürdige Vulkanlandschaft. Im Zusammenhang mit einer über die Regionalplanung aktuell vorgesehenen Absicherung und wesentlichen Erweiterung der Abbaumöglichkeiten in der Vulkaneifel hat die zuständige Naturschutzbehörde umfangreiche Aussagen zum Natur- und Landschaftsschutz sowie zum Biotop- und Artenschutz vorgelegt, die den entscheidenden Gegenstand eines von der Landesregierung unterstützten Dialogprozesses zur Konfliktlösung darstellen.

Die in der Vulkaneifel wirtschaftlich sehr bedeutende Mineralwassergewinnung ist auf den Schutz der Einzugsgebiete der standortgebundenen Brunnen auch im Bereich von Abbauflächen dringend angewiesen. Noch mehr betrifft dies die aktuelle und zukünftig noch wichtigere Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser (derzeit für 240.000 Menschen!), die durch die vulkanische Geologie bei der Qualität des Wassers besonders begünstigt wird. Ein effektiver Landschaftsschutz in Verbindung mit dem Grundwasserschutz stellt darum eine besondere politische Herausforderung an die Regionalplanung dar.

Eine weitere Begründung für einen umfassenden Landschaftsschutz ergibt sich aus den Erfordernissen des Tourismus. Dieser verbindet sich in der Vulkaneifel primär mit der Suche nach Erholung und Naturerleben in einer einzigartigen Landschaft und bringt erheblich mehr an Umsätzen und Arbeitsplätzen als der aktuelle Gesteinsabbau. Der Vulkanismus als Alleinstellungsmerkmal ist für die Gästewerbung wichtig, während der “Geotourismus“ nur einen Teilaspekt der Tourismuswirtschaft ausmacht. Der Landschaftsschutz dient ebenfalls dem Schutz der für Forschung und Umweltbildung wichtigen Geotope vor ihrer Zerstörung.

Für den im LEP IV als vorrangig eingestuften Landschaftsschutz in der Vulkaneifel sprechen also viele Gründe.

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