Kommuniqué zum Symposium „Eifelvulkane –multifunktionale Nutzung im Dialog“ vom 24.2.2018

(Quelle: http://www.vulkane.de/files/18-03-24-Symposium-Abschlusskommunique.pdf )

Die Teillandschaften der südlichen Eifel – vulkanische Hocheifel, Westeifel und Osteifel –werden seit dem frühen Tertiär durch Vulkanismus geprägt. Die jüngsten Eruptionen liegen mit dem Ausbruch des Laacher-See-Vulkans vor ca. 13.000 Jahren in der Osteifel und dem Ulmener Maar vor ca. 11.000 Jahren in der Westeifel in jüngster geologischer Vergangenheit. Viele Geländeformen und Gesteine des jungen Vulkanismus sind daher noch nahezu unverwittert, die ursprüngliche Vulkanlandschaft kaum durch Erosion abgetragen. Dies macht die Eifel einzigartig in Deutschland. Der Vulkanismus ist nicht erloschen, er ist als rezent anzusehen.

Die drei o. g. Landschaften sind Lebens- Arbeits- und Existenzgrundlage für die Einwohner. Die Landschaften erfüllen wichtige Funktionen in einer über das Land Rheinland-Pfalz hinausgehenden Wirtschafts- und Tourismuszone im Herzen Mitteleuropas.

Die drei o. g. Landschaften sind …

  • Lebensraum einer überwiegend in ländlichen und klein- bis mittelstädtischen Siedlungen leben-den Bevölkerung.
  • touristische Erholungs- und Urlaubsregionen von hohem landschaftsästhetischem Reiz für mindestens 10 Mio. Menschen aus den Ballungsräumen an Rhein-Ruhr, Rhein-Main, den Niederlanden, Belgien u. a., und damit von überregionaler Bedeutung.

  • land- und forstwirtschaftliche Produktionsflächen mit verschiedenen Schutzstatuten.
  • Natur- und Landschaftsschutzgebiete, Naturparke, Geotope, Natura 2000 Schutzgebiete ( Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, Vogelschutzgebiete) mit überregionaler Bedeutung und z. T. europäischem Schutzstatus.

  • Kulturlandschaften mit bemerkenswertem archäologischem, kultur-, technik- und wirtschafts-historischem Erbe der Menschheitsgeschichte seit dem Paläolithikum (Altsteinzeit) bis in die jüngste Vergangenheit.

  • Bildungs- und Speicherorte von Grund- und Trinkwasser, aus denen international bedeutende Mineralwasserbrunnen und Kohlensäureabfüller Mineralwasser, Erfrischungsgetränke und Kohlensäure gewinnen bzw. regionale / lokale Versorgungsbetriebe Trink- und Brauchwasser für Menschen, Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie bereitstellen.

  • Vorkommen und Gewinnungsorte – z. T. überregional – bedeutender mineralischer Rohstoffe für die Bauindustrie (Baustoffproduktion, Tiefbau, Straßen-, Wege-, Gleis- und Sportanlagenbau, GaLa-Bau, Hochbau, Denkmalpflege), chemische Industrie, Kosmetische Industrie u. a.

  • Orte für naturwissenschaftliche, insbesondere geowissenschaftliche, biologische und kulturwis-senschaftliche Forschung und Lehre.

Jede einzelne dieser Nutzungen verfolgt spezifisch eigene Ansprüche an das naturräumliche Potential der südlichen Eifel. Sie beanspruchen ausgewählte Ressourcen, deren wirtschaftliche Nutzung sich auf andere Akteure und andere Nutzungsinteressen unmittelbar auswirken. Diese verschiedenen

Nutzungsinteressen können einander konträr gegenüberstehen und zu Konflikten führen oder sich gegenseitig ergänzen.

Nach Auffassung der Referenten des Symposiums beanspruchen alle Akteure in der Eigenwahrnehmung wichtige Ziele und Tätigkeiten im Rahmen der gemeinsamen Volkswirtschaft und des gemeinsamen Bildungsauftrags. Alle o. g. Tätigkeiten sind für die Region Eifel, das Land Rheinland-Pfalz, die Bundesrepublik Deutschland und die hier lebenden Menschen auf vielfältige Weise, aber in unterschiedlichem Umfang, von Bedeutung. Idealerweise dienen sie dem Zusammenleben und Wohlstand der Menschen in einer der bedeutendsten Wirtschaftsnationen Europas. Abwägungen im Rahmen von Planungen und Genehmigungsverfahren haben grundsätzlich unter volkswirtschaftlichen Aspekten zu erfolgen und der Wahrung bzw. Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung zu dienen.

Letter of Understanding

Die Referenten des Symposiums mahnen die Beachtung folgender drängender Zukunftsaufgaben als unvermeidbare Belange von Politik, Planungsbehörden, Wirtschaft und allen übrigen Beteiligten an:

  • Die Westeifel ist – weitaus stärker als die Osteifel – eine noch weitgehend erhaltene, einmalige Vulkanlandschaft von hohem landschaftsästhetischem Reiz. Das rheinland-pfälzische Landes-entwicklungsprogramm beschreibt die Vulkaneifel (Westeifel) als „Landschaft mit bundesweit einzigartiger Prägung“ (LEP IV). Ihr „umfassender Schutz und ihre vorrangige Sicherung und Entwicklung“ (Ziel 91, LEP IV) sind zu gewährleisten, um die Lebensgrundlage von Mensch, Natur, Landschaft und Tourismus dauerhaft zu garantieren.

  • Die Ressourcen der Eifel stehen nur in begrenztem Umfang zur Verfügung.
  • Es muss daher eine verbindliche Vereinbarung getroffen werden, wie viele und welche Vulkane bzw. vulkanische Strukturen langfristig zu erhalten sind, um das typische Landschaftsbild einer quartären Vulkanlandschaft als ein nationales Naturerbe zu bewahren und dem Anspruch „Vulkaneifel“ auch für künftige Generationen gerecht zu werden. Der auf die Vulkane ausgerichtete Schutzaspekt muss auf Jahrhunderte bemessen sein, um z. B. Erosion und Kollaps von Abbauwänden Einhalt zu gebieten.

  • Der Laacher-See-Vulkan in der Osteifel stellt einen in Mitteleuropa einzigartigen Vulkan dar. Aufgrund dieser besonderen Bedeutung muss dem Laacher-See-Vulkan mit seinem von älteren Vulkanen besetzten Kraterrand und einem angemessenen Umfeld herausragender Schutz und dauerhafte Erhaltung garantiert werden.

  • Die basaltischen Schlackenkegel in Ost- und Westeifel liefern sehr hochwertige mineralische Rohstoffe. Mit diesen Rohstoffen ist sparsam und zielorientiert umzugehen, denn die Vorkommen lassen sich nicht vermehren.

  • Die mineralischen Rohstoffe dürfen aufgrund ihrer petrophysikalischen Eigenschaften nicht – wie bislang üblich – z. B. zu Minimalpreisen als Massenware im Straßenunterbau verschleudert werden. Sie sind zukünftig ausschließlich zu hochwertigen Bauprodukten zu verarbeiten und müssen durch Sekundärrohstoffe im Massenschüttgut z. B. für den Straßenbau ergänzt werden.

  • Die Nutzung mineralischer Rohstoffe muss dem vorgestellten Konzept „So wenig Naturstein wie nötig, so viel Recycling wie möglich“ angepasst werden. Ein kompletter Verzicht auf primäre mineralische Rohstoffe ist auch in der Zukunft nicht möglich.

  • Zum Schutz der endlichen Natursteinressourcen sollte der bauliche Einsatz von Recycling-Material erheblich umfangreicher als bisher erfolgen. Insbesondere die öffentliche Hand muss den Einsatz von Recycling-Material in ihrer Planungs-, Ausschreibungs- und Vergabepraxis weitaus stärker berücksichtigen.

  • Die Rohstoffgewinnung muss die Belange der Boden- und Baudenkmalpflege berücksichtigen. Kulturdenkmale, Fundstellen oder auch nur Verdachtsflächen dürfen keinesfalls ohne fachliche Expertise und Kenntnis durch den Gesteinsabbau zerstört werden. Die Denkmale sind Menschheitserbe und daher nach Möglichkeit dauerhaft zu erhalten.

  • Die Anlage und der Betrieb von Sekundäraufbereitungsflächen (Recycling) in ausgebeuteten Vulkanen können zugelassen werden, sofern durch effektive Vorkehrungen der Schutz des Trink-und Mineralwassers, der Bevölkerung und der Natur gesichert werden.

  • Die Bevölkerung und die Mineralwasserindustrie sind auf den Schutz des Grundwassers angewiesen. Der Eintrag jeglicher Verschmutzungen ist dauerhaft und sicher zu vermeiden.
  • Die Vulkane sind ein Naturerbe der Menschheit und unersetzliche Orte des Lernens vom Kindergarten bis zur Universität. Wissenschaftler, Lehrer, Umweltpädagogen, Geotouristiker u. a. müssen nach Abstimmung mit den Betreibern Zugang zu den Vulkanen und geologischen Aufschlüssen erhalten.

  • Aufgelassene Steinbrüche sind – zumindest partiell – durch abgestimmte Pflegemaßnahmen von Verbuschung freizuhalten, um die o. g. Ansprüche zu erfüllen.
  • Eine multifunktionale Nutzung der durch den Vulkanismus geschaffenen Ressourcen kann nur in gemeinsamen dialogischen Abstimmungsprozessen festgelegt werden. Keiner der beteiligten Akteure kann hierbei eine Vorrangposition für seine Anliegen in Anspruch nehmen. Zur verantwortungsvollen Umsetzung der eigenen Ziele sind Kenntnis und Respekt vor den Ansprüchen der anderen Beteiligten erforderlich. Für alle wirtschaftlichen Nutzungen gilt der Vorrang des ideellen Schutzes der einzigartigen Vulkanlandschaft als dem übergeordneten Ziel der Raum- und Ressourcennutzung.

  • Politik, Landes- und Raumplanung, Forst- und Landwirtschaft, Brunnen- und Trinkwasser-produzenten, Tourismus, Hotellerie und Gaststättenbetreiber, Steinbruchunternehmen, Kommunen, Anwohner, Gäste, Naturschutzorganisationen, Hochschulinstitute, Forschungsein-richtungen u. a. stehen deshalb in der Pflicht, im offenen und fairen Dialog mit allen beteiligten Akteuren und in gegenseitiger Anerkennung der Argumente verbindliche Regeln und Vereinbarungen zu entwickeln.

  • Die Referenten empfehlen die Fortsetzung des Symposiums „Eifelvulkane – multifunktionale Nutzung im Dialog“ in einem mindestens zweijährigen Rhythmus an wechselnden Orten in der Eifel.

Natur und Landschaft der Eifel sind einmalig. Sie angemessen zum Wohle der Menschen und der gesamten Gesellschaft zu nutzen sowie als wertvolles Natur- und Kulturerbe der Menschheit dauerhaft zu schützen, ist verpflichtende Aufgabe aller Beteiligten.

 

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