Podiumsdiskussion: Eifellandschaft VOR Lavaabbau!

Die Sitzplätze im Dauner Forum reichten nicht aus – um die 500 Menschen waren trotz Schneeeinbruch am 30. Januar 2012 zur Podiums- und Plenumsdiskussion  Eifellandschaft oder Lavaabbau“  gekommen – ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr diese Frage die Gemüter in der Eifel bewegt. Eingeladen hatten die Interessengemeinschaft  Eifelvulkane (BI) und die Arbeitsgemeinschaft Dauner Naturschutzverbände gemeinsam mit der Lokalredaktion Daun des Trierischen Volksfreundes (TV).

Auf dem Podium saßen Wirtschaftsministerin Eveline Lemke und Umweltministerin Ulrike Höfken, Heinz Onnertz, Landrat des Landkreises Vulkaneifel, Werner Klöckner, Bürgermeister VG Daun; Natur- und Geopark GmbH Vulkaneifel,Volker Oos, Ortsbürgermeister Rockeskyll, Jörg Scherer, Sprecher der Initiative Natursteine Vulkaneifel , Sonja Kaiser, Touristik, Hans-Peter Felten, Arbeitsgemeinschaft Dauner Naturschutzverbände, Hartmut Schmidt, Interessengemeinschaft Eifelvulkane.

Für die IG führte Resi Schmitz in das für viele schmerzliche Thema ein, „verschwinden“ doch die Berge der Kindheit einer nach dem anderen. An acht Gruben zwischen Gerolstein und Hillesheim muss sie täglich auf dem Weg zur Arbeit vorbeifahren: „Das tut weh“, sagte sie und rief für die Zukunft der Eifel und ihrer Kinder zu verantwortlichem Handeln auf.  „Lavaabbau und Eifellandschaft“, betonte Ministerin Lemke, das „Landesamt für Geologie“ tue nur seine „Pflicht“ und alles hänge am geltenden Bergrecht, dessen Änderung ihre Partei Bündnis/Die Grünen kürzlich zum wiederholten Male im Bundestag eingebracht habe. Dafür Mehrheitsverhältnisse zu schaffen, das ist die Aufgabe aller Politiker und Parteien. Das unterstützt die IG, denn nach dem geltenden Bergrecht können über alle Beschlüsse von Kreis und Gemeinden hinweg „Vorrangfächen zur Rohstoffsicherung“ festgelegt werden.

Der Abbauunternehmer Jörg Scherer sprach von einem „Horrorszenario“, das in der Öffentlichkeit gezeichnet worden wäre. Der tatsächliche Abbau der neu ausgewiesenen Vorranggebiete zur Rohstoffsicherung auf 2000 ha würde niemals verwirklicht werden. Nahezu alles sei für den lokalen Bedarf und der sei rückläufig, es würde nichts nach China und Indien verschifft. Es fragt sich, warum dann die Abbaufläche erweitert werden soll – so viele neue Straßen braucht die Eifel doch nicht. Frau Lemke nannte konkrete Zahlen: Zwei  Millionen Tonnen würden jährlich ins Ausland gehen. Zwei Millionen von fünf Millionen – man stelle sich das in Bergen vor und in beladenen LKWs, die das „Gesundland“ belasten. Vom alltäglichen „Horrorszenario“ in vielen Eifelgemeinden berichteten betroffene Bürger/innen aus Strohn, Weiersbach oder Oberbettingen sehr eindrücklich  und machten klar, dass schon die jetzigen (und vergangenen) Zustände unzumutbar sind.

Dabei ging es nicht nur um die Belastungen durch den Abbau der Berge, sondern auch um das „Verfüllen“ mit Bauschutt, Straßenkehricht, etc, wie aus Strohn berichtet wurde. Dass das Auffüllen der Gruben mit Abfall und Müll, legal oder illegal, ein großes Problem für das Grundwasser ist, darauf wies Prof. Maria Mies von der IG ausdrücklich hin: „Die vertraglich festgelegte „Rekultivierung“  des Steffelnberges bestand darin, dass Klärschlamm aus der Region Frankfurt-Main dort abgekippt werden sollte. Das wurde dann von dem Gemeinderat wegen der Grundwasservergiftung abgelehnt.“ Und Nachhaltigkeit im Bergabbau, von der manche Politiker und viele Abbauunternehmer so oft reden, die könne es nicht geben, denn „wenn ein Berg „nachhaltig“ abgebaut ist, dann ist er „nachhaltig“ weg oder, wie es Hans Pinn ausgedrückt hat:
BERGE WACHSEN NICHT NACH!“

Mehr und frühzeitige Bürgerbeteiligung, diese zentrale Forderung der IG brachte Hartmut Schmidt vor und rief zur Bildung eines Runden Tisches auf. Zukünftig sollten nur noch Vorrangflächen für den Gesteinsabbau ausgewiesen werden, wenn für deren tatsächlichen Bedarf ein Nachweis erbracht werde.  Hans-Peter Felten (NABU) unterstrich die Forderung der Naturschutzverbände, die „Unterordnung des Natur- und Landschaftsschutzes unter die Rohstoffsicherung“ zu beenden.

Mit den aktuellen Planungen ist der wichtigste Wirtschaftszweig in der Region gefährdet, darin stimmten sehr viele Redner überein. „Für den Tourismus, der von der Ruhe und der Schönheit der Landschaft lebt,  ist die Belastung bald nicht mehr tragbar“, betonte Sonja Kaiser für die freie Touristik. Dazu hatte  Ministerin Lemke aktuelle Zahlen mitgebracht: 300 000 Übernachtungsgäste,  über 11 Millionen Tagesreisende rund 500 Millionen Euro Bruttoumsatz, wohingegen der Lavaabbau lediglich 20 Mill. Primärgewinn erwirtschafte. „Und den Tourismus wollen wir nicht gefährden“, sagt Lemke: „Die Vulkaneifel ohne Vulkane ist schlicht nicht vorstellbar.“
Allerdings: Viele haben wir nicht mehr – wir haben keine mehr zu vergeben! Deshalb sagt die IG: Eifellandschaft VOR Lavaabbau!

Fast 7000 Unterschriften wurden von den Sammlerinnen und fleißigen Bienen der IG, Trudi Osiewacz, Eva Schäfer und Gisela Kannenberg an die Ministerin E. Lemke übergeben und bekräftigten:

  • Alle noch vorhandenen Vulkanberge müssen bleiben!
  • Die besondere Landschaft der Vulkaneifel muss vor der weiteren Zerstörung bewahrt und für die nachfolgenden Generationen erhalten werden!
  • Landschaftsschutz braucht Vorrang!
  • Mitspracherechte für Bürger, Kreistage und Gemeinderäte!

Bei der Online-Petition wurden zahlreiche Kommentare abgegeben, von denen Gisela Kannenberg (IG) einige vor der Übergabe der Unterschriften vortrug:
Herr H., ein Gast aus Enger bei Bielefeld:
„Die Eifel gehört zu den schönsten deutschen Natur- und Kulturräumen. Warum das einschränken oder gar zerstören?“

Herr M. aus Mannebach, Eifel:
„Die Verantwortlichen sollten bedenken, dass wir nur diese eine Eifel haben und wir keine zweite bei Bedarf aus dem Rucksack zaubern können. Mir bleibt nichts anderes übrig, als Gott zu bitten, dass er den Verantwortlichen die Einsicht schenkt, dass seine Schöpfung über Profitsucht und Habgier steht.“

Dr. Kerstin J. aus Darmstadt:
„Ich bin der Meinung, dass der Mensch viel zu viel Raubbau an der Natur betreibt, um eines Wachstums-Wahnsinns-Glaubens willen; dem gilt es überall auf der Welt entschlossenen Bürgerwillen entgegenzusetzen, damit wir den folgenden Generationen keine Wüste hinterlassen.“

Appell:

Runder Tisch!

Bürger früher informieren!
Umdenken bei der Rohstoffnutzung!

Wir machen weiter!
Wer sammelt mit, wer will Bergpatenschaft übernehmen?

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Eine Antwort zu Podiumsdiskussion: Eifellandschaft VOR Lavaabbau!

  1. Rolf Schwarzendahl schreibt:

    Die Natur muß Vorang vor Profit haben .. es sollten nur noch Parteien gewählt werden, die das begriffen haben .. nur so kann die Politik gezwungen werden, in der Vulkaneifel weitere
    Schäden zu vermeiden.

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