Stellungnahme Dr. Franz May (BGR): Grundwassergefährdung durch den Rohstoffabbau in der Vulkaneifel

Dr. Franz May von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat unserem Arbeitskreis „Hintergründe“ auf Anfrage am 01.03.2011 freundlicherweise folgende allgemeine Hinweise zur möglichen Gefährdung von Grund- und
Mineralwasservorkommen in der Westeifel durch den Rohstoffabbau gegeben.

Grundwassergefährdung durch den Rohstoffabbau in der Vulkaneifel

Die Ergiebigkeit der Grundwasserbrunnen ist in weiten Teilen der Eifel, gering. Eine Ausnahme stellt die Vulkaneifel dar. Dort sind es die Kalkmulden und vor allem der Buntsandstein und die vulkanischen Lockergesteine (Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz 2007a), in denen hohe Grundwasserneubildungsraten auftreten. Dort werden Spitzenwerte für Rheinland-Pfalz von mehr als 300 mm/Jahr erreicht. Das ist das 5-10-fache dessen, was zum Beispiel im Grundwassermangelgebiet Islek erreicht wird.

Grundwasserneubildung

Ausschnitte aus der Karte Grundwasserneubildung , Blatt 23 Hydrologischer Atlas Rheinland Pfalz (Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht 2005).

Die Grundwasserneubildung und die Quellschüttungen von Schlackenkegeln und Maaren der Westeifel wurden unter anderem vom Geologischen Landesamt Rheinland Pfalz untersucht. Die herausragende Bedeutung der vulkanischen Lockergesteine für die Grundwasserneubildung und die Trinkwasserversorgung der Eifel wird vom ehemaligen Hydrogeologen des Landesamtes Dr. Weiler herausgestellt, der bereits 1987 zur Erkenntnis gelangte: „Die Folgerung sollte der schonende Umgang mit diesen Speichergesteinen sein, da sie nachweislich die einzigen, meist eng begrenten Aquifere in einem sonst sehr Grundwasserarmen Gebiet bilden; für die Verbandsgemeinde Daun sind sie die Grundlage der Trinkwasserversorgung.“ und weiter, „dass der Abbau dieser Tufflagerstätten immer mit der Wasserwirtschaft abgestimmt werden sollte“ (Weiler 1987).

Leider sind diese ergiebigen Grundwasservorkommen in der Vulkaneifel auch sehr verletzlich. Die gute Durchlässigkeit der Vulkanite, des Buntsandsteins oder der Dolomite ermöglichen nicht nur eine hohe Neubildungsrate, sondern auch ein rasches Verlagern von Schadstoffen in die Tiefe. Entsprechend wird die Schutzwirkung der Grundwasserüberdeckung vom Landesamt für Geologie und Bergbau für diese Gebiete auch als ungünstig eingestuft. Im Verbreitungsgebiet des Buntsandsteins, im Oberbettinger Triasgebiet, kommt erschwerend hinzu, dass der Buntsandstein und die daraus hervorgegangenen Böden nur eine geringe Pufferkapazität für Schadstoffe haben und so der Eintrag von Luftschadstoffen (Schwefel- und Stickoxide) bereits zu einer Versauerung des Grundwassers geführt hat (Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht 2005). Aufgrund der Versauerung ist die Konzentration des gelösten, ökotoxischen Aluminiums im Grundwasser angestiegen. Die Versauerung kann die Mobilisation von weiteren Stoffen, wie z.B. Schwermetallen, die an Boden und Gestein gebunden sind zur Folge haben. Zur Minderung der Auswirkungen des Säureeintrags werden in Waldgebieten Bodenschutzkalkungen durchgeführt. In vielen Wasserwerken ist bei der Aufbereitung des Grundwassers eine Neutralisierung der Säuren erforderlich. Auch die Unterdevonischen Grauwacken und Schiefer sind eher Basenarm, haben eine begrenzte Pufferkapazität und werden als versauerungsgefährdet angesehen. Die Bodenschutzkalkungen können den Schadstoffeintrag in gewissem Maße kompensieren. Die Bodenmatrix bleibt jedoch nachhaltig gestört.

Die Sensibilität der Grundwasservorkommen und deren Schutzbedürfnis berücksichtigt die Landesregierung zumindest bei der Genehmigung von Erdwärmesonden, in dem sie kritische Gebiete ausgewiesen hat, wozu große Teile der Vulkaneifel gehören. In diesen Gebieten sind Erdwärmesonden nur nach Prüfung und Bewertung der Fachbehörden, eventuell unter erhöhten Sicherheitsauflagen genehmigungsfähig.

Schutzwirkung

Ausschnitte aus der Karte „Schutzwirkung“ der Grundwasserüberdeckung , Blatt 26 Hydrologischer Atlas Rheinland Pfalz (Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht 2005).

Versauerung

Ausschnitte aus der Karte Grundwasserversauerung, Blatt 27 Hydrologischer Atlas Rheinland Pfalz (Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht 2005).

Ausschnitte aus Abb. 5: Schematische hydrogeologische und wasserwirtschaftliche Standortqualifizierung für den Bau von Erdwärmesonden auf der Grundlage geowissenschaftlicher Karten, der Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiete, der Mineralwasservorkommen und der Einzugsgebiete von Wassergewinnungen mit gehobenem Recht ohne Schutzgebiet; Stand 2006. (Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, 2007b).

In den teilweise verkarsteten Gesteinen der Kalkmulden von Dollendorf, Prüm, Hillesheim und Gerolstein sind offene Klüfte vorhanden, durch die Schadstoffe von der Oberfläche besonders rasch und in größeren Mengen ins Grundwasser gelangen können (Boden et al. 1980). Bachschwinden sind u.a vom Oosbach und vom Ahbach bekannt. Auch in der Nähe des Bolsdorfer Brunnens, der den größten Teil des Trinkwassers der Stadt Hillesheim liefert, tritt Karstwasser der Hillesheimer Mulde aus. In den unterirdischen Karstgewässern wurden Fließgeschwindigkeiten von 60 m bis 12 km pro Tag ermittelt, die auf das Durchfließen von Höhlensystemen hindeuten. Sie folgern daher, dass die Schutzzonendimensionierung um die Grundwassergewinnungsanlagen über die Empfehlungen der Richtlinien für Trinkwasserschutzgebiete hinaus reichen muss. Der wasserrechtlich gebotene Schutz des Grundwassers vor Verunreinigungen muss jedoch alle Gefährdungen im Einzugsgebiet der Vorkommen berücksichtigen und nicht nur den Abbau mineralischer Rohstoffe.

Bezüglich der Verletzlichkeit der Karstgrundwasserleiter stellt das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz 2007b in seinem Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden auch fest: „Daneben stellt eine Bohrung in einem Karst- oder hochdurchlässigen Kluftgrundwasserleiter selbst eine Gefährdung der Grundwasserbeschaffenheit dar. Besondere hydraulische Bedingungen … oder erhöhte CO2- Gehalte im Grundwasser – müssen bei der Beurteilung der Maßnahme in besonderer Weise berücksichtigt werden.“ In diesem Leitfaden ist daher zum Schutz des Mineralwasservorkommens von Gerolstein auch das in RLP einzige, abgegrenzte Einzugsgebiets eines Mineralwasservorkommens ausgewiesen.

Grundwasserlandschaften

Ausschnitte aus Abb. 4: Grundwasserlandschaften. Schwarz umrandet: Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiete (Zonen III / IV), rot umrandet: Einzugsgebiete von Mineralwassergewinnungen, (Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, 2007b).

Bohrungen für Erdwärmesonden reichen meist tiefer als übliche Tagebaue oberflächennaher Rohstoffe. Jedoch übertrifft die flächenhafte Ausdehnung der Lavagruben und Steinbrüche die einer Erdwärmesonde um ein Vielfaches, so dass an den Abbau von Rohstoffen ebenso strenge Maßstäbe wie an Erdwärmesonden gestellt und weite Teile der Kalk- und Vulkaneifel bezüglich des Grundwasserschutzes aufgrund ihrer hohen Verletzlichkeit als kritisch eingestuft werden müssten.

Neben Trinkwasserschutzgebieten, die sich nur auf den Einzugsbereich bestehender Fassungsanlagen beziehen, sind für das Grundwasser, die wichtigste Quelle des Trinkwassers in der Vulkaneifel ebenso Vorsorgegebiete zu fordern, wie für den Abbau der Lagerstätten von Steinen und Erden.

 

Qualitative Gefährdung

  • Die Verwitterungsböden, die sich auf den vulkanischen Gesteinen seit dem Ende der letzten Eiszeit gebildet haben, sind ein natürlicher Schutz und Puffer für das Grundwasser, da sie Schadstoffe aus den durchsickernden Niederschlägen binden und teilweise auch abbauen können. Diese Schutzschicht fehlt in den offenen Gruben. So dass in den Buntsandstein- und Unterdevongebieten die Grundwasserversauerung weiter fortschreiten kann. [Die aus den Vulkanischen Gesteinen hervorgegangenen Böden gehören zudem zu den fruchtbarsten Ackerböden der ansonsten eher kargen Eifel.]
  • Betriebsstoffe wie Hydrauliköl oder Diesel, die bei technischen Pannen austreten können, würden rasch im Untergrund versickern und könnten so ins Grundwasser gelangen. Insbesondere wenn Lockergesteine in der Nähe der Brunnen abgebaut werden, wie z.B. am Ringseitert (Weiler 2002), ist das Risiko für die Trinkwasserversorgung hoch.
Ringseiter

Schematisches Profil durch den Ringseitert-Vulkan bei Kirchweiler, mit Lage des Tagebaus, der Brunnen und des ursprünglichen (RWS), bzw. abgesenkten Grundwasserspiegels; aus (Weiler , 2002).

  • Nach der Ausbeutung der Lagerstätte werden aus dem abgeräumten Boden und anderen „Substraten“ neue Abdeckungen für die Rekultivierung der Tagebaue erstellt. Diese entsprechen jedoch nicht den vorher vorhandenen, im Laufe der Jahrtausende entstandenen Bodenprofilen, mit ihren Bodenlebewesen und der Differenzierung in die verschiedenen Bodenhorizonte, die für die Schutzfunktion der Böden unentbehrlich sind. Selbst wenn die ursprünglich vorhandenen Böden bei der Rekultivierung wieder aufgebracht werden, unterliegen diese der Erosion, ihnen fehlt aber das abgebaute basenreiche vulkanische Ausgangsgestein für die fortlaufende Verwitterung und Bildung nährstoffreicher Böden.
  • Desweiteren empfiehlt Köppen (1987), „die Rekultivierung vorhandener Steinbrüche und Lavasandgruben zu beobachten. Das zur Verfüllung verwendete Material stammt gelegentlich aus Abfallcontainern und kann wassergefährdende Stoffe enthalten (z.B. Kreuzkaul).“ Es ist zu Befürchten, das bei der Rekultivierung weiterhin ungeeignete Stoffe eingebracht werden (wie im 2007 bekannt gewordenen Fall der illegalen Deponierung in der Lavagrube bei Dockweiler), aus denen Schadstoffe mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen könnten.
  • Im Gegensatz zu den Karstgebieten kann die Verweilzeit des Grundwassers in gering durchlässigen Gesteinen, von der Neubildung aus Niederschlägen bis zum Austritt in Quellen, oft mehrere Jahrzehnte betragen. Klenze (1987) bestimmte Grundwasseralter von mehr als 40 Jahren im Raum Daun. Aufgrund der langen Verweilzeiten können Schadensfälle eventuell erst spät bemerkt werden, wenn sich Schadstofffahnen weit ausgebreitet haben und deren Sanierung eventuell nicht mehr möglich oder wirtschaftlich ist. Prominentes Beispiel für Brunnen im Unterdevon, die in der Vergangenheit wegen, vermutlich aus Altlasten stammenden Schadstoffbelastungen aufgegeben wurden, ist der Birresborner Sprudel.

Quantitative Gefährdung

  • Die quantitative Gefährdung ergibt sich primär aus dem Abbau der vulkanischen Lockergesteine, welche die hohen Grundwasserneubildungsraten ermöglichen und in den Trockenmaaren wichtige Grundwasserspeicher für die Öffentliche Wasserversorgung darstellen (Weiler 2002, Hesse & Büchel 2000). Aufgrund ihrer begrenzten Einzugsgebiete sind „Maarstrukturen sehr sensible Grundwasservorkommen, die einer „vorsichtigen“ Bewirtschaftung bedürfen“ (Köppen et al. 2000).
  • Jede qualitative Gefährdung impliziert auch eine quantitative Gefährdung. Im Falle von qualitativen Beeinträchtigungen verringert sich zwangsläufig die Menge des für die Trinkwassergewinnung verfügbaren Grundwassers. Weiler (1987) bemerkt dazu: „Jede Verminderung der Dicke der Filterschichten bedeutet eine geringere Reinigung des Grundwassers. Ein Abbau … verursacht somit zwangsläufig einen nicht unerheblichen Eingriff in den Grundwasserhaushalt.“

 

Fazit

Hinsichtlich der Konkurrenz von Grundwasserschutz und Rohstoffvorsorge forderte der Oberlandesgeologe Dr. Weiler (Geologischen Landesamtes von RLP, heute LGB) bereits 1987:

  1. In Einzugsgebieten von genutzten Quellen sollten keine Speichergesteine mehr abgebaut werden, auch keine kleinen Mengen.
  2. In Einzugsgebieten von noch nicht genutzten Quellen sollte vorsorglich ein Schutzgebiet zur Verhinderung des Abbaus ausgewiesen werden, wenn absehbar ist, dass diese Quelle zukünftig genutzt werden muss.
  3. Ist die Ausbeutung von Tuffen genehmigt, sollte eine Mindestmenge erhalten bleiben. Durch einen solchen Restfilter könnten zumindest starke Störungen des Wasserhaushaltes vermieden werden.
  4. Zur Quantifizierung dieser Forderungen sind weitere Untersuchungen notwendig.“

In den 25 Jahren seit der Publikation dieser Forderungen ging der Abbau der endlichen Ressourcen unvermindert weiter. Tagebaue wurden erweitert, neue Tagebaue angelegt. Die Forderungen des Geologischen Landesamtes von 1987 an den Rohstoffabbau in der Eifel müssen daher heute umso ernster genommen und bei der Landesplanung konsequent und vorrangig berücksichtigt werden.

Die Ausweisung von Grundwasserschutzgebieten entsprechend der 2. Forderung, die über die Trinkwasserschutzgebiete der bestehenden Quellen hinaus reichen, sollte aber nicht nur bei einer absehbaren zukünftigen Nutzung erfolgen, sondern auch die langfristige Verfügbarkeit der Ressource Grundwasser berücksichtigen. Die Hillesheimer Kalkmulde, das Oberbettinger Buntsandstein Gebiet und die Region Gerolstein/Daun, im Zentrum der Vulkaneifel beinhalten wichtige Dargebotsreserven. Die genannten Regionen sind dem Umweltministerium zufolge „ … zukünftig von überregionaler Bedeutung für die Sicherstellung der Wasserversorgung“ (Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland- Pfalz, 2000). Daher sollten die wertvollen Grundwasservorkommen der Vulkaneifel generell im Interesse kommender Generationen vorrangig vor irreversiblen Eingriffen geschützt werden.

(Diese Forderungen beziehen sich auf den Abbau vulkanischer Lockergesteine. Beim Grundwasserschutz ist allerdings das menschliche Handeln insgesamt mit einzubeziehen, woraus sich weitere Gefährdungen des Grundwassers (u.a. Verkehr, Land- und Forstwirtschaft, Industrie, Haushalte) und Handlungsfelder zu dessen Schutz, auf lokaler Ebene sowie regional, gegenüber flächenhafter Beeinträchtigungen, ergeben.)

Quellenangaben

  • Boden, M., Diettrich, T., Gronemeier, K., Pekdeger, A. 1980: Strukturanalyse, Hydrochemie und Grundwasserhydraulik. Ein Konzept zur Erschließung der Grundwasservorkommen in der Hillesheimer Mulde (Eifeler Nord-Süd-Zone). Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft 131: 235-254.
  • Köppen, K.-H. Geologie und Hydrogeologie der Gerolsteiner Mulde und ihrer Umgebung. Dissertation Univ. Trier, 115 + 85 S.
  • Köppen, K.-H., Justen, A., Büchel, G. (2000): Hydrogeologie von Maaren. Wasserwirtschaftliche Bedeutung am beispiel einiger Maare der Eifel. Terra Nostra 2006/6: 208 – 210.
  • Hesse, G., Büchel, G. (2000): Strategy of ground water exploration in maar volcanoes demonstrated at the Gees Maar (West Eifel volcanic field, Germany). Terra Nostra 2006/6: 190 – 194.
  • Klenze, P. 1987: Vorerkundung zu einer Positionierung einer potentiellen Thermalwasserbohrung im Stadtgebiet Daun (Westeifel). unveröff. Diplomarbeit Univ. Jena, 67 + 20 S.
  • Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht 2005: Hydrologischer Atlas Rheinland Pfalz. Mainz 2005, 44 Blätter.
  • Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz 2000: Wasserversorgungsplan Teilgebiet 3. Landkreis Daun, Landkreis Bitburg-Prüm, Landkreis Bernkastel- Wittlich, Landkreis Trier-Saarburg, Kreisfreie Stadt Trier. Mainz, 79 S.
  • Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz 2007a: Grundwasserbericht Rheinland-Pfalz 2007. Mainz, 86 S.
  • Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz 2007:b Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden. Mainz, 23 S.
  • Weiler, H. 1987: Vulkanische Lockergesteine in der Nordwesteifel, ihre Bedeutung für Wasserversorgung und Grundwasserhaushalt. Mainzer Geowissenschaftliche Mitteilungen 16:275-306.
  • Weiler, H. 2001: Beobachtungen zur Hydrogeologie und Tektonik des Buntsandsteins von Oberbettingen (Eifeler Nord-Südzone). Mainzer Geowissenschaftliche Mitteilungen 30:195-226.
  • Weiler, H. 2002: Die Bedeutung der quartären Maare in der Westeifel für die Wasserversorgung. Mainzer Geowissenschaftliche Mitteilungen 31:153-190.

 

Die Sensibilität der Grundwasservorkommen und deren Schutzbedürfnis berücksichtigt die Landesregierung zumindest bei der Genehmigung von Erdwärmesonden, in dem sie kritische Gebiete ausgewiesen hat, wozu große Teile der Vulkaneifel gehören. In diesen Gebieten sind Erdwärmesonden nur nach Prüfung und Bewertung der Fachbehörden, eventuell unter erhöhten Sicherheitsauflagen genehmigungsfähig.

Ausschnitte aus der Karte „Schutzwirkung“ der Grundwasserüberdeckung , Blatt 26 Hydrologischer Atlas Rheinland Pfalz (Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht 2005).

Ausschnitte aus der Karte Grundwasserversauerung, Blatt 27 Hydrologischer Atlas Rheinland Pfalz (Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht 2005).

Ausschnitte aus Abb. 5: Schematische hydrogeologische und wasserwirtschaftliche Standortqualifizierung für den Bau von Erdwärmesonden auf der Grundlage geowissenschaftlicher Karten, der Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiete, der Mineralwasservorkommen und der Einzugsgebiete von Wassergewinnungen mit gehobenem Recht ohne Schutzgebiet; Stand 2006. (Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, 2007b).

In den teilweise verkarsteten Gesteinen der Kalkmulden von Dollendorf, Prüm, Hillesheim und Gerolstein sind offene Klüfte vorhanden, durch die Schadstoffe von der Oberfläche besonders rasch und in größeren Mengen ins Grundwasser gelangen können (Boden et al. 1980). Bachschwinden sind u.a vom Oosbach und vom Ahbach bekannt. Auch in der Nähe des Bolsdorfer Brunnens, der den größten Teil des Trinkwassers der Stadt Hillesheim liefert, tritt Karstwasser der Hillesheimer Mulde aus. In den unterirdischen Karstgewässern wurden Fließgeschwindigkeiten von 60 m bis 12 km pro Tag ermittelt, die auf das Durchfließen von Höhlensystemen hindeuten. Sie folgern daher, dass die Schutzzonendimensionierung um die Grundwassergewinnungsanlagen über die Empfehlungen der Richtlinien für Trinkwasserschutzgebiete hinaus reichen muss. Der wasserrechtlich gebotene Schutz des Grundwassers vor Verunreinigungen muss jedoch alle Gefährdungen im Einzugsgebiet der Vorkommen berücksichtigen und nicht nur den Abbau mineralischer Rohstoffe.

Bezüglich der Verletzlichkeit der Karstgrundwasserleiter stellt das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz 2007b in seinem Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden auch fest: „Daneben stellt eine Bohrung in einem Karst- oder hochdurchlässigen Kluftgrundwasserleiter selbst eine Gefährdung der Grundwasserbeschaffenheit dar. Besondere hydraulische Bedingungen … oder erhöhte CO2– Gehalte im Grundwasser – müssen bei der Beurteilung der Maßnahme in besonderer Weise berücksichtigt werden.“ In diesem Leitfaden ist daher zum Schutz des Mineralwasservorkommens von Gerolstein auch das in RLP einzige, abgegrenzte Einzugsgebiets eines Mineralwasservorkommens ausgewiesen.

Ausschnitte aus Abb. 4: Grundwasserlandschaften. Schwarz umrandet: Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiete (Zonen III / IV), rot umrandet: Einzugsgebiete von Mineralwassergewinnungen, (Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, 2007b).

Bohrungen für Erdwärmesonden reichen meist tiefer als übliche Tagebaue oberflächennaher Rohstoffe. Jedoch übertrifft die flächenhafte Ausdehnung der Lavagruben und Steinbrüche die einer Erdwärmesonde um ein Vielfaches, so dass an den Abbau von Rohstoffen ebenso strenge Maßstäbe wie an Erdwärmesonden gestellt und weite Teile der Kalk- und Vulkaneifel bezüglich des Grundwasserschutzes aufgrund ihrer hohen Verletzlichkeit als kritisch eingestuft werden müssten.

Neben Trinkwasserschutzgebieten, die sich nur auf den Einzugsbereich bestehender Fassungsanlagen beziehen, sind für das Grundwasser, die wichtigste Quelle des Trinkwassers in der Vulkaneifel ebenso Vorsorgegebiete zu fordern, wie für den Abbau der Lagerstätten von Steinen und Erden.

Qualitative Gefährdung

-Die Verwitterungsböden, die sich auf den vulkanischen Gesteinen seit dem Ende der letzten Eiszeit gebildet haben, sind ein natürlicher Schutz und Puffer für das Grundwasser, da sie Schadstoffe aus den durchsickernden Niederschlägen binden und teilweise auch abbauen können. Diese Schutzschicht fehlt in den offenen Gruben. So dass in den Buntsandstein- und Unterdevongebieten die Grundwasserversauerung weiter fortschreiten kann. [Die aus den Vulkanischen Gesteinen hervorgegangenen Böden gehören zudem zu den fruchtbarsten Ackerböden der ansonsten eher kargen Eifel.]

-Betriebsstoffe wie Hydrauliköl oder Diesel, die bei technischen Pannen austreten können, würden rasch im Untergrund versickern und könnten so ins Grundwasser gelangen. Insbesondere wenn Lockergesteine in der Nähe der Brunnen abgebaut werden, wie z.B. am Ringseitert (Weiler 2002), ist das Risiko für die Trinkwasserversorgung hoch.

Schematisches Profil durch den Ringseitert-Vulkan bei Kirchweiler, mit Lage des Tagebaus, der Brunnen und des ursprünglichen (RWS), bzw. abgesenkten Grundwasserspiegels; aus (Weiler , 2002).

-Nach der Ausbeutung der Lagerstätte werden aus dem abgeräumten Boden und anderen „Substraten“ neue Abdeckungen für die Rekultivierung der Tagebaue erstellt. Diese entsprechen jedoch nicht den vorher vorhandenen, im Laufe der Jahrtausende entstandenen Bodenprofilen, mit ihren Bodenlebewesen und der Differenzierung in die verschiedenen Bodenhorizonte, die für die Schutzfunktion der Böden unentbehrlich sind. Selbst wenn die ursprünglich vorhandenen Böden bei der Rekultivierung wieder aufgebracht werden, unterliegen diese der Erosion, ihnen fehlt aber das abgebaute basenreiche vulkanische Ausgangsgestein für die fortlaufende Verwitterung und Bildung nährstoffreicher Böden.

-Desweiteren empfiehlt Köppen (1987), „die Rekultivierung vorhandener Steinbrüche und Lavasandgruben zu beobachten. Das zur Verfüllung verwendete Material stammt gelegentlich aus Abfallcontainern und kann wassergefährdende Stoffe enthalten (z.B. Kreuzkaul).“ Es ist zu Befürchten, das bei der Rekultivierung weiterhin ungeeignete Stoffe eingebracht werden (wie im 2007 bekannt gewordenen Fall der illegalen Deponierung in der Lavagrube bei Dockweiler), aus denen Schadstoffe mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen könnten.

-Im Gegensatz zu den Karstgebieten kann die Verweilzeit des Grundwassers in gering durchlässigen Gesteinen, von der Neubildung aus Niederschlägen bis zum Austritt in Quellen, oft mehrere Jahrzehnte betragen. Klenze (1987) bestimmte Grundwasseralter von mehr als 40 Jahren im Raum Daun. Aufgrund der langen Verweilzeiten können Schadensfälle eventuell erst spät bemerkt werden, wenn sich Schadstofffahnen weit ausgebreitet haben und deren Sanierung eventuell nicht mehr möglich oder wirtschaftlich ist. Prominentes Beispiel für Brunnen im Unterdevon, die in der Vergangenheit wegen, vermutlich aus Altlasten stammenden Schadstoffbelastungen aufgegeben wurden, ist der Birresborner Sprudel.

Quantitative Gefährdung

-Die quantitative Gefährdung ergibt sich primär aus dem Abbau der vulkanischen Lockergesteine, welche die hohen Grundwasserneubildungsraten ermöglichen und in den Trockenmaaren wichtige Grundwasserspeicher für die Öffentliche Wasserversorgung darstellen (Weiler 2002, Hesse & Büchel 2000). Aufgrund ihrer begrenzten Einzugsgebiete sind „Maarstrukturen sehr sensible Grundwasservorkommen, die einer „vorsichtigen“ Bewirtschaftung bedürfen“ (Köppen et al. 2000).

-Jede qualitative Gefährdung impliziert auch eine quantitative Gefährdung. Im Falle von qualitativen Beeinträchtigungen verringert sich zwangsläufig die Menge des für die Trinkwassergewinnung verfügbaren Grundwassers. Weiler (1987) bemerkt dazu: „Jede Verminderung der Dicke der Filterschichten bedeutet eine geringere Reinigung des Grundwassers. Ein Abbau … verursacht somit zwangsläufig einen nicht unerheblichen Eingriff in den Grundwasserhaushalt.“

Fazit

Hinsichtlich der Konkurrenz von Grundwasserschutz und Rohstoffvorsorge forderte der Oberlandesgeologe Dr. Weiler (Geologischen Landesamtes von RLP, heute LGB) bereits 1987:

  1. In Einzugsgebieten von genutzten Quellen sollten keine Speichergesteine mehr abgebaut werden, auch keine kleinen Mengen.
  2. In Einzugsgebieten von noch nicht genutzten Quellen sollte vorsorglich ein Schutzgebiet zur Verhinderung des Abbaus ausgewiesen werden, wenn absehbar ist, dass diese Quelle zukünftig genutzt werden muss.
  3. Ist die Ausbeutung von Tuffen genehmigt, sollte eine Mindestmenge erhalten bleiben. Durch einen solchen Restfilter könnten zumindest starke Störungen des Wasserhaushaltes vermieden werden.
  4. Zur Quantifizierung dieser Forderungen sind weitere Untersuchungen notwendig.“

In den 25 Jahren seit der Publikation dieser Forderungen ging der Abbau der endlichen Ressourcen unvermindert weiter. Tagebaue wurden erweitert, neue Tagebaue angelegt. Die Forderungen des Geologischen Landesamtes von 1987 an den Rohstoffabbau in der Eifel müssen daher heute umso ernster genommen und bei der Landesplanung konsequent und vorrangig berücksichtigt werden.

Die Ausweisung von Grundwasserschutzgebieten entsprechend der 2. Forderung, die über die Trinkwasserschutzgebiete der bestehenden Quellen hinaus reichen, sollte aber nicht nur bei einer absehbaren zukünftigen Nutzung erfolgen, sondern auch die langfristige Verfügbarkeit der Ressource Grundwasser berücksichtigen. Die Hillesheimer Kalkmulde, das Oberbettinger Buntsandstein Gebiet und die Region Gerolstein/Daun, im Zentrum der Vulkaneifel beinhalten wichtige Dargebotsreserven. Die genannten Regionen sind dem Umweltministerium zufolge „ … zukünftig von überregionaler Bedeutung für die Sicherstellung der Wasserversorgung“ (Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland- Pfalz, 2000). Daher sollten die wertvollen Grundwasservorkommen der Vulkaneifel generell im Interesse kommender Generationen vorrangig vor irreversiblen Eingriffen geschützt werden.

(Diese Forderungen beziehen sich auf den Abbau vulkanischer Lockergesteine. Beim Grundwasserschutz ist allerdings das menschliche Handeln insgesamt mit einzubeziehen, woraus sich weitere Gefährdungen des Grundwassers (u.a. Verkehr, Land- und Forstwirtschaft, Industrie, Haushalte) und Handlungsfelder zu dessen Schutz, auf lokaler Ebene sowie regional, gegenüber flächenhafter Beeinträchtigungen, ergeben.)

Quellenangaben

Boden, M., Diettrich, T., Gronemeier, K., Pekdeger, A. 1980: Strukturanalyse, Hydrochemie und Grundwasserhydraulik. Ein Konzept zur Erschließung der Grundwasservorkommen in der Hillesheimer Mulde (Eifeler Nord-Süd-Zone). Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft 131: 235-254.

Köppen, K.-H. Geologie und Hydrogeologie der Gerolsteiner Mulde und ihrer Umgebung. Dissertation Univ. Trier, 115 + 85 S.

Köppen, K.-H., Justen, A., Büchel, G. (2000): Hydrogeologie von Maaren. Wasserwirtschaftliche Bedeutung am beispiel einiger Maare der Eifel. Terra Nostra 2006/6: 208 – 210.

Hesse, G., Büchel, G. (2000): Strategy of ground water exploration in maar volcanoes demonstrated at the Gees Maar (West Eifel volcanic field, Germany). Terra Nostra 2006/6: 190 – 194.

Klenze, P. 1987: Vorerkundung zu einer Positionierung einer potentiellen Thermalwasserbohrung im Stadtgebiet Daun (Westeifel). unveröff. Diplomarbeit Univ. Jena, 67 + 20 S.

Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht 2005: Hydrologischer Atlas Rheinland Pfalz. Mainz 2005, 44 Blätter.

Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz 2000: Wasserversorgungsplan Teilgebiet 3. Landkreis Daun, Landkreis Bitburg-Prüm, Landkreis Bernkastel- Wittlich, Landkreis Trier-Saarburg, Kreisfreie Stadt Trier. Mainz, 79 S.

Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz 2007a: Grundwasserbericht Rheinland-Pfalz 2007. Mainz, 86 S.

Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz 2007:b Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden. Mainz, 23 S.

Weiler, H. 1987: Vulkanische Lockergesteine in der Nordwesteifel, ihre Bedeutung für Wasserversorgung und Grundwasserhaushalt. Mainzer Geowissenschaftliche Mitteilungen 16:275-306.

Weiler, H. 2001: Beobachtungen zur Hydrogeologie und Tektonik des Buntsandsteins von Oberbettingen (Eifeler Nord-Südzone). Mainzer Geowissenschaftliche Mitteilungen 30:195-226.

Weiler, H. 2002: Die Bedeutung der quartären Maare in der Westeifel für die Wasserversorgung. Mainzer Geowissenschaftliche Mitteilungen 31:153-190.

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Eine Antwort zu Stellungnahme Dr. Franz May (BGR): Grundwassergefährdung durch den Rohstoffabbau in der Vulkaneifel

  1. Georg Schiffer, Ahrbrück schreibt:

    Fachlich hervorragend begründet und trotzdem verständlich dargestellt. Diese Erkentnisse werden von Verbandsbürgermeistern, Landräten, Wasserbehörden und allen Umweltministern bis heute ignoriert. Das Einzugsgebiet der Wasserversorgung aus der Nohner Kalkmulde ist weder als Schutzgebiet ausgewiesen noch wird dem Gesteinsabbau oder dem Straßenbau Grenzen gesetzt. Leichtsinn, Gottvertrauen, Feundlerwirtschaft oder Verantwortungslosigkeit?

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