Lava- und Basaltabbau in der Eifel – aktueller Stand der Diskussion im Februar 2011

(Verfasser: Dipl.Ing. Hartmut Schmidt, Daun)

1. Derzeit werden bzw. können Lava- und Basaltvorkommen der Vulkaneifel (zwischen Bad Bertrich im Südosten und Steffeln im Nordwesten) auf einer Gesamtfläche von 400 ha bzw. 4 qkm abgebaut werden; eine Anzahl von ehemaligen Vulkanbergen sind bereits vollständig oder größtenteils abgebaut und haben tiefe Wunden in der Eifel-landschaft hinterlassen. Kleinere ehemalige Lavagruben für den örtlichen Bedarf in den Dörfern haben sich zu Naturschutzflächen entwickelt, könnten jedoch wieder reaktiviert werden (unter Verlust ihrer Bedeutung für den Naturschutz). Der Schwerpunkt der Abbaugruben befindet sich zwischen Daun und Hillesheim mit wachsender Belastung für das Landschaftsbild. Daneben liegen weitere Abbaugebiete in der Osteifel.

2. Das Landesentwicklungsprogramm 2008 (LEP IV) der obersten Landesplanungsbe-hörde legt für den Bereich der Eifel unter anderen Zielen zwei sich widersprechende Ziele der Raumordnung fest, nämlich die Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsflächen für die Rohstoffsicherung (Ziel 128) sowie Vorrang- und Vorbehaltsflächen für regional bedeutsame Gebiete für Erholung und Tourismus (Ziel 134).

3. Die Planungsgemeinschaft Region Trier ist aktuell über das LEP IV beauftragt, auf der Grundlage eines sog. Fachbeitrages des Landesamtes für Geologie und Bergbau (LGB) im Rahmen der Rohstoffsicherung für beinahe alle geologisch feststellbaren Basalt- und Lavavorkommen der Eifel entsprechende Vorrang- und Vorbehaltsflächen mit abschließender Planungswirkung festzulegen. Vorgesehen ist eine Erweiterung der potentiellen Abbauflächen mit Vorrang vor allen übrigen Nutzungen von derzeit 400 ha auf über 2.000 ha bzw. 20 qkm (ein zeitlicher Zusammenhang dieser völlig überzogenen Ausdehnung der bisherigen Abbauflächen mit der kürzlich erfolgten Ausweisung von FFH-Flächen und der Errichtung des Naturparkes Vulkaneifel ist zu vermuten).

4. Durch den dann möglichen Abbau fast aller Vulkanberge und Lavalagerstätten wird die regionale Trink- und Brauchwasserversorgung erheblich beeinträchtigt, da in den überwiegend devonischen Schichten der Eifel mit Ausnahme der Buntsandstein-schichten (Kylleifel) und der noch zahlreichen Vulkankörper keine brauchbaren Wasserspeicher vorliegen.

5. Die für die Eifel auch wirtschaftlich sehr bedeutsame Mineralwassergewinnung und –vermarktung ist vergleichbar betroffen.

6. Die Weiterentwicklung des Tourismus in der Eifel (Ziel 134 im LEP IV), unterstützt durch den im Aufbau befindlichen Naturpark Vulkaneifel, wird durch den Verlust einer weitgehend intakten Landschaft und die Entstehung einer Grubenlandschaft mit 5-facher Ausdehnung gegenüber dem derzeitigen Zustand, erheblich gefährdet. Die Tourismuswerbung für einen Landkreis Grubeneifel dürfte schwierig werden.

7. Die äußerst geringe Bedeutung der Rohstoffgewinnung für die Arbeitsplätze in der Teilregion steht in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zu den mit der Planung gefährdeten Arbeitsplätzen in der Wasser/Mineralwassergewinnung und im Tourismussektor (Untersuchung 2007/8 des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz).

8. Nicht zuletzt sind die emotionalen Auswirkungen auf die Menschen in allen vom Rohstoffabbau betroffenen Teilen der Eifel, die durch eine systematische Zerstörung der als Heimat empfundenen Landschaft zu befürchten sind, zu beachten. Die nicht ausgleichbaren Eingriffe in die Landschaft, hervorgerufen durch einen nicht umkehrbaren großindustriellen Lagerstättenabbau, sind daher mit zumindest vergleichbarem Gewicht wie wirtschaftliche Belange in die Abwägung einzubeziehen.

9. Die Belange des Naturschutzes, auch unter Beachtung der FFH-Gebietskulisse, des Naturparkes und der vorhandenen und zukünftigen Naturschutzgebiete und Natur-denkmäler, sind gerade im Hinblick auf die Erholungsfunktion des Gebietes besonders zu beachten.

10. Von den in Rheinland-Pfalz anerkannten Naturschutzverbänden liegt eine gemeinsame Stellungnahme (Nabu Daun) vor, mit der die Ausweisung zusätzlicher Abbauflächen in der Vulkaneifel im Hinblick auf die bereits bestehenden Belastungen abgelehnt und eine Konzentration der aktuellen Abbauaktivitäten gefordert wird.

11. Mit der planerischen Abwägung und Entscheidung durch die Planungsgemeinschaft Region Trier sind im Vorfeld eine Reihe von wesentlichen Voraussetzungen für eine sachgerechte Entscheidung zu prüfen. Hierzu zählen auch die …. – Ermittlung der noch verfügbaren Rohstoffvorkommen in den aktuellen Abbauflächen – Ermittlung der in einem in der Raumordnung üblichen Zeitraum absehbar benötigten Rohstoffe unter striktem Vorrang von Recycelmaterial – Erfassung der verfügbaren Recycelmengen einschließlich der verwertbaren Massen in den verfüllten Abbaugruben – Verzicht auf überregionale Transporte und den Export der wertvollen (und zur Zeit zu billigen) Rohstoffe und Beschränkung auf die Verarbeitung mit hoher Wertschöpfung.

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